Wer den Wagram zum ersten Mal sieht, versteht, warum ihn ein Magazin mit einem riesigen Wal vergleicht. Der rund 30 Kilometer lange Höhenzug östlich von Krems liegt breit und träge in der Landschaft. In seinem Löss wurzeln die Reben, und mittendrin liegt Fels am Wagram, ein Ort mit gut 2.300 Einwohnern. Hier hat die Familie Leth ihr Weingut aufgebaut.

Von einem halben Hektar zum Familienbetrieb

Am Anfang steht keine große Vision. Franz und Barbara Leth führen in den frühen 1960er-Jahren eine kleine, gemischte Landwirtschaft mit nicht mehr als einem halben Hektar Reben. Das Gründungsjahr nennen die Quellen unterschiedlich, mal 1960, mal 1961. Nach und nach rückt der Weinbau in den Mittelpunkt. Die Söhne Franz und Erich lernen in Klosterneuburg beziehungsweise Krems und steigen 1981 in den Betrieb ein. In den Achtziger- und Neunzigerjahren machen sie daraus einen der führenden Betriebe am Wagram.

Die dritte Generation

Heute leitet Franz Leth junior das Weingut und ist als Kellermeister für die Weine zuständig. Sein Onkel Erich kümmert sich um die Weingärten, sein Vater Franz ist der Außenmann des Hauses. Laut Vinum betreut er als „Botschafter des Weingutes“ die Kunden in aller Welt. Damals, 2020, ging rund drei Viertel der Weine in den Export, bis nach Singapur, Finnland, Schweden, England und in die USA.

Löss, Schotter und die Veltliner

Die Reben stehen auf rund 52 Hektar, etwa in den Rieden Brunnthal, Scheiben und Steinagrund. Mehr als die Hälfte davon ist Grüner Veltliner. Dazu kommt der Rote Veltliner, eine Rarität der Region, dem das Weingut viel Aufmerksamkeit widmet. Die Lössschichten reichen bis zu 20 Meter tief, sodass die Wurzeln weit nach unten finden. Der Riesling mag dagegen den kargen roten Schotter der Ur-Donau. Außerdem gibt es Zweigelt und Burgundersorten sowie Sekt, etwa einen Blanc de Noirs Brut Große Reserve. Als Mitglied der Traditionsweingüter Österreich klassifiziert Leth seine besten Lagenweine als „Erste Lage“.

Ein Garten voller Raritäten

Eine besondere Geschichte steckt in einer Weingartenparzelle. Anfang der 1990er-Jahre erfüllte sich Franz Leth senior einen lange gehegten Wunsch. Er pflanzte so viele alte, fast verschwundene Rebsorten wie möglich aus. Er suchte sie, vermehrte sie und setzte sie aus. Das Ergebnis gilt als eines der größten „lebenden Rebsortenmuseen“ Österreichs. Es ist ein Genpool, den laut Vinorama sogar Wissenschaftler für ihre Forschung schätzen.

Bio und lange Erinnerung

Das Weingut arbeitet seit Jahrzehnten naturnah und verzichtet auf Herbizide und Insektizide. Die Weine sind „Nachhaltig Austria“ zertifiziert und seit dem Jahrgang 2021 auch bio-zertifiziert. Im Programm finden sich zudem gereifte Weine bis zurück zum Jahrgang 1973.

Die Quellen beschreiben das Haus als Familienbetrieb mit „Idealismus, Innovation und Investition“.

Aus einem Hof mit halbem Hektar ist so ein Weingut geworden, das Tradition und Neugier verbindet. Es hat alte Sorten gerettet, setzt auf Bio und verkauft seinen Wein in alle Welt.

Quellen: www.vinum.eu, www.vinorama.at, www.weinguide.at, fels-wagram.at, www.thesortingtable.com, wineguide.wein.plus, www.weingut-leth.at