Reben vor der Straßenbahn-Endstation

Wer mit der Linie 31 nach Stammersdorf fährt, steigt zwischen Kellergassen und Weingärten aus, und das noch auf Wiener Stadtgebiet. Vom Bisamberg aus liegt die Stadt den Winzern zu Füßen. Es gibt kaum eine andere Millionenstadt, in der Weinbau eine so große Rolle spielt. Die Zahlen schwanken je nach Quelle: Das Österreich Wein Marketing und Wikipedia nennen rund 588 Hektar, die Stadt Wien spricht von etwa 700 Hektar. Einig sind sich alle bei einem Punkt: Etwa 400 Betriebe bewirtschaften diese Flächen.

Drei Zonen, drei Charaktere

Der Nordwesten ist das klassische Wiener Weinland. Dort liegen Nussdorf, Grinzing, Sievering, Neustift am Walde und Heiligenstadt an den Hängen von Kahlenberg und Nussberg. Der Nussberg ist mit rund 150 Hektar der Wiener Weinberg schlechthin. Die Böden sind kalkreich, besonders gut gedeihen Riesling, Grüner Veltliner, Chardonnay und Weißburgunder.

Nördlich der Donau, am Bisamberg, wachsen nach Angaben des Österreich Wein Marketing vor allem Burgundersorten. Hier arbeiten die Winzer aus Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf. Stammersdorf gilt als größtes zusammenhängendes Weinbaugebiet der Stadt. Im Süden, in Mauer und Oberlaa, findet man dunklere Schwarzerdeböden. Sie bringen kräftige Weißweine und füllige Rotwein-Cuvées hervor.

Die Menschen dahinter

Zu den bekanntesten Namen zählt Fritz Wieninger. Er verantwortet den Familienbetrieb in Stammersdorf seit 1987 und bewirtschaftet Lagen am Bisamberg und am Nussberg. Laut Grapeguru sind es rund 65 Hektar, die biodynamisch geführt werden. Die Nussberg-Flächen des Labels Hajszan Neumann, die 2014 dazukamen, sind Demeter-zertifiziert.

Im Süden hat sich Richard Zahel in Mauer einen Namen gemacht. Er hat auch Weingärten in Oberlaa, Sievering und am Nussberg. Seine Rotweine Antares und Sapor stammen aus Mauer. Aus Strebersdorf kommt Herbert Schilling, der langjährige Vorsitzende des Landesweinbauverbandes. Katharina Klager aus Stammersdorf zeigt, dass Weinbau längst keine reine Männerdomäne mehr ist. Am Nussberg zieht es immer wieder junge Winzer an, auch Quereinsteiger.

Der Gemischte Satz: Wiens Signatur

Das Herzstück ist der Wiener Gemischte Satz, der seit dem Jahrgang 2013 eine DAC ist. Dabei stehen verschiedene weiße Sorten im selben Weingarten. Sie werden gemeinsam gelesen und gemeinsam vergoren. Laut Vinum müssen es mindestens drei Sorten sein. Die größte darf höchstens 50 Prozent ausmachen, die kleinste muss auf mindestens 10 Prozent kommen. Rund 240 Hektar sind in Wien so bepflanzt.

Die Herkunft ist als Pyramide aufgebaut:

  • Gebietswein: Wiener Gemischter Satz DAC
  • Ortswein: zum Beispiel Nussberg, Grinzing, Sievering, Neustift, Maurerberg, Oberlaa oder Bisamberg
  • Riedenwein: Einzellagen wie die Ried Ulm am Nussberg

Daneben gibt es Grünen Veltliner, Riesling und Chardonnay. Rund 80 Prozent der Fläche sind mit Weißwein bepflanzt, der Rest mit Rotwein.

Ein Gesetz schützt die Reben

Reben standen in Wien einst sogar innerhalb der Stadtmauern. Heute verhindert ein Wiener Landesgesetz, dass Weingärten brachfallen oder der Immobilienspekulation weichen. Rebflächen müssen bewirtschaftet werden. So bleibt die grüne Hügelkulisse am Stadtrand erhalten, und der Heurige hat auch in Zukunft Wein aus der Nachbarschaft im Glas.

Quellen: www.oesterreichwein.at, de.wikipedia.org, www.vinum.eu, www.winzerblog.at, www.falstaff.com, www.stadtlandwirtschaft.wien, www.grapeguru.de, www.frankfurterweinclub.com